Panorama_06

Den Tee nehmen wir am 8. März 2015 wieder im Mozart-Saal – Wissenswertes über das Programm

Während wir in einem unser vorhergehenden Blogs schon über Ferruccio Busoni berichtet haben, wollen wir Ihnen nun auch noch den Rest des Programms – nämlich Bach und Mendelssohn – etwas näher bringen.

Johann Sebastian Bach

Brandenburgisches Konzert Nr.3 G-Dur, BWV 1048

Satzbezeichnungen

  1. Allegro – Adagio
  2. Allegro

In einer langgestreckten barocken Galerie, verziert mit grünem Brokat und einer reichen Sammlung an niederländischen und italienischen Gemälden, führte Bach im Fürstenschloss zu Anhalt-Köthen seine “Brandenburgischen Konzerte” zum ersten Mal in der Fassung auf, in der wir sie kennen. Dies geschah um 1720, bevor Bach diese Fassung in einer demonstrativ schön geschriebenen Partitur dem Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg 1721 nach Berlin sandte. Während man früher glaubte, dass er dies aus eigenem Antrieb tat, möglicherweise sogar als versteckte Bewerbung um einen Posten am preußischen Hof, weiß man heute, dass sein Fürst in dieser Angelegenheit durchaus ein Wörtchen mitsprach. In den rigorosen Machtkämpfen, die sich Leopold von Anhalt-Köthen mit seiner Mutter und seinem Bruder lieferte, war er auf Unterstützung aus Berlin angewiesen. Dabei kamen ihm die sechs großen Concerti seines Hofkapellmeisters Bach gerade recht, um auf dem Umweg über ein kulturelleres Geschenk einflussreiche Personen in Berlin für sich einzunehmen.

Im Falle des 3. Brandenburgischen Konzerts waren es exakt neun Streicher sowie Bach am Cembalo und ein neben ihm stehender Kontrabassist, die ihn mit einem musikalischen Wettstreit erfreuten. Angesichts dieses Wechselspiels von je drei Geigen, Bratschen und Celli durfte der antikisch gebildete Fürst an die neun Musen denken, was ihm als barockem Musenfürsten, als neuem Apoll natürlich schmeicheln musste. Tatsächlich handelt es sich um einen Wettstreit, den die drei Instrumentengruppen im ersten Satz mit einigem Eifer und ziemlicher Hartnäckigkeit austragen, bis sich auf dem Höhepunkt der Spannung der Knoten löst und das Anfangsthema wiederkommt. Der anapästische Rhythmus und die ständig wiederholten Wechselnoten dieses Themas, das sich die Streicher unablässig zuwerfen, wurden für spätere Generationen zum Inbegriff von Barockmusik. Statt eines langsamen Satzes schrieb Bach in diesem Konzert nur zwei Akkorde, die den Sturmwind des Finales sanft vorbereiten ? “Wasserstille und glückliche Fahrt”, nicht gerade auf dem Amazonas, aber immerhin auf den kleinen Flüsschen im Anhaltischen.

Felix Mendelssohn-Bartholdy

„Die frühen Streichersinfonien“

Während die „großen“ Sinfonien Mendelssohns zum festen Bestandteil des sinfonischen Repertoires gehören, werden seine Streichersinfonien, die „Jugendsinfonien“, nur selten aufgeführt. Unschätzbar, welch meisterhafte Musik da dem Konzertbesucher entgeht! Dass diese Werke der Feder eines 12- bis 14-Jährigen entstammen, ist historische Gewissheit, als Hörer mag man es hingegen kaum glauben.

Die genialen Klangeffekte seiner frühen Streicherwerke, insbesondere des Oktetts, sind einer gründlichen Ausbildung zu verdanken. In den zwölf Streichersinfonien haben sie ihre Vorläufer.

Diese Werke entstanden zwischen 1821 und 1823 in loser Folge. Am konzentriertesten arbeitete der Vierzehnjährige Felix im Frühjahr 1823 an den Sinfonien Nr. 9 bis 12. Die zehnte Sinfonie in h-Moll ist ein echtes Frühjahrsstück, beendet am 18. Mai 1823. Dennoch befleißigt sie sich eines geradezu Bachischen Ernstes. Der Höreindruck deckt sich mit dem, was Adele Schopenhauer über den Knaben Felix schrieb: “Er vereint zwei seltsame Naturen in sich: die eines wilden, fröhlichen Knaben und die eines schon reifen Künstlers, der mit Bedacht Fugen, Opern, Quatuors schreibt und gründlich das seine gelernt hat.”